Unsere Geschichte
1987
Thomas und Claudia lernen sich anfangs Juli 1987, am Ende des Sommersemesters, an der Universität Zürich kennen.
Die ersten zwei Monate der Semesterferien verbringen sie in hunderten und tausenden von Kilometer Entfernung von einander – nur ein paar Briefe halten die Beiden in freundschaftlicher Verbindung.
Erst als Thomas anfangs September aus Südafrika zurückkehrt, verabreden sie sich wieder…. und wieder und wieder…… und so wird aus vielen spannenden Gesprächen und immer grösser werdender Herzensfunken, schnell eine intensive, kreative und leidenschaftliche Energieverbindung auf allen Ebenen. Nach drei Wochen immer abwechslungsreicheren und regelmässigerem Zusammensein, haben beide das Gefühl, als ob sie sich schon ewig kennen würden, und die Gewissheit, dass sie in diesem Leben füreinander vorherbestimmt sind.
Am 7. Oktober, an einem Kraftort oben auf dem Berg, verpflichten sie sich gegenseitig, gemeinsam mit Liebe und Achtung füreinander, durchs Leben zu gehen, solange es ihnen in diesem Erdenleben gegeben ist. Gemeinsam die Herausforderungen zu bewältigen, die aus der Verbindung ihrer Energien ins Leben treten werden.
Ein paar Tage später hat Thomas noch eine letzte Verpflichtung als Lagerkoch in einem Herbstlager von Mädchen Wölflingen. Claudia geht mit, als Ehefrau und Hilfs-Köchin. Es ist ihr erstes gemeinsames Arbeiten und Wirken.
Danach beginnt das nächste Studienjahr. Claudia studiert normal weiter, Thomas wechselt vom Philosophie Studium zum ganz neuen Studiengang Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich.
Bis zum Jahresende pendeln sie miteinander zwischen den Eltern hin und her. Sie wünschen sich sehr, eine eigene kleine Wohnung zu finden und finanziell selbstständig zu werden.
Thomas & Claudia 2024
Claudia & Thomas 1987 (Das einzige Foto von 1987)
1988
Sie leben zusammen, Thomas bricht das Studium ab und beginnt als Briefträger bei der PTT in Zürich zu arbeiten. Finanzielle Unabhängigkeit. Standesamtliche Trauung. Bezug der ersten eigenen Mietgenossenschaftswohnung mitten im Kreis 4 in Zürich. Claudia bricht das Studium ab. Geburt der ersten Tochter Lisa.
1990
Geburt der zweiten Tochter Nadja. Thomas begegnet in Zürich dem Hopi-Sprecher Thomas Banyacya und hört die von ihm persöhnlich vorgetragenen Hopi-Prophezeiungen.
Rede von Thomas Banyacya vor der UNO
Remembering Thomas Banyacya (EN)
Entschluss, die Stadt und das normale Zivilisationsleben zu verlassen.
1991
Zuerst versuchen wir, gemeinsam mit Freunden, aus der Stadt in ein Haus auf dem Land zu ziehen. Dieser gemässigte „Aussteigversuch“ stellt sich aber als nicht finanzierbar heraus. Kurz entschlossen wird ein Extremweg gewählt. Tippibau, Kündigung und Auszug aus der Wohnung. Umzug ins Zürcher Oberland in ein primitives Offene-Feuerstelle Tippi. Normale Anmeldung bei der Gemeinde und Weiterführung des eigenen Geschäftes. Bau eines zweiten Tippis. Bekanntschaften und Treffen mit an Experimental-Gemeinschaften interessierten Menschen. Mitten im Winter, um die Sonnenwendezeit, organisieren wir ein Treffen.
1992
Die Gemeindebehörden machen wegen des unkonventionellen Lebensstils Probleme und verlangen die Räumung des Platzes. Geburt von Nicolas im Tippi. Abzug Ende Februar über Italien nach Südfrankreich. Landsuche für eine Selbstversorger-Existenz in Gemeinschaft. Nomadenleben und Lehrzeit an verschiedenen Orten. Überwinterung in einem neugebauten grossen Doppelhaut-Tippi mit Ofen und Kamin, auf einem Biologischen Bauernhof in Vermes im Kanton Jura.
1993
Bei einem Gemeinschaftsinteressierten-Treffen ende März, wird ein Oekodorf-Projekt in Nordost-Polen vorgestellt. Die kurzem Zögern, lockt diese neue Möglichkeit jedoch sehr – die Herausforderung wird in Angriff genommen: Gleich im April, Reise nach Bremen in Deutschland zu einem Infotreffen, darauf gleich die erste Reise nach Nordostpolen. Nach zwei Wochen, Rückkehr in die Schweiz, Vorbereitung und Formalitätenabklärung für die geplante Auswanderung nach Polen.
Am 1. Juni Einfahrt in Polen. Pacht eines Grundstücks in Sajzy, einem kleinen Dorf am Laśmiade – See, 20 km nördlich von Ełk. Tippiaufbau und Anlegen eines Gemüsegartens. Das Oekodorf-Projekt wird in der Organisationsphase abgebrochen.
Durch die Hilfe und Vermittlung von Elżbieta Niedziejko von SIRT und Jadwiga Łopata von ECEAT-Polen, gelingt es einen geeigneten alten Bauernhof zu finden. Es gelingt, den Hof zu kaufen, allerdings noch nicht offiziös.
Am 5. September, Einzug ins neue Heim. Erste Renovationsarbeiten. Kauf von zwei Ferkeln und einer Schar Hühner mit Hahn. Zufälligerweise gelingt es auch zwei Ziegen und einen Bock zu erwerben.
Am 9. November überfällt der Winter überraschend und hart (sehr starker Wind, Temperatur fällt innert 8h von +8 auf -14°C, meterhohe Schneeverwehungen). Ein Schock!! Was nicht umbringt, macht härter und erfahrener. Nach drei Wochen ist der Spuk wieder vorbei – der Winter normalisiert sich. Erste Kontakte zu einigen Nachbarn wurden geknüpft und ein kleines Radio gekauft – die Polnischkenntnisse verbessern sich von Tag zu Tag – die unglaublich gute polnische Musikszene begeistert!
Aus der Schweiz trifft ein Paket mit Geschenken für die Kinder ein. Darin hat es auch einen einfachen Fotoapparat, damit Fotos für die Grosseltern gemacht werden können. Endlich können wir wieder selber Fotos machen.
1994
Hartes, einfaches und bescheidenes Leben. Im Februar -25°C und viel Schnee. Im März werden die ersten Ziegenlämmer geboren, der Bock und ein Schwein geschlachtet. Das zweite Schwein wird verkauft… der erste kleine Verdienst in Polen.
Ende März: der Schnee ist weg, die ersten Störche werden gesichtet. Der erste kleine Gartenplatz wird vorbereitet. Erste Saaten… oh weh! Der Winter kehrt nochmals zurück.
April: Endlich Frühling, wir kaufen uns ein Arbeitspferd. Ein grosses Stück Gartenland wird mit Pferd- und Handarbeit für die Aussaat vorbereitet. Leider müssen wir unglaublich viele störende Steine wegsammeln. Mit Nachbarhilfe werden auch die ersten 2-3 ha Felder bestellt und besät. Auch dort ist alles voller Steine.
Mai: Erste eigene Milch. Die ständige Niederlassung in Polen wird bewilligt. Geburt von Swendar.
Juni: Drei Schafe und ein Bock werden gekauft. Eine weitere Ziegen und ein neuer Bock, können erworben werden.
Die ersten ECEAT-Feriengäste kommen, das Tippi wird aufgebaut erstmals auf eigenem Grund und Boden. Ausgerechnet während der Rekordhitze von 37°C, wird ein neuer Kachelofenherd gebaut.
Thomas fährt noch ein letztes Mal für zwei Tage in die Schweiz, um die letzten paar, dort verbliebenen Habseligkeiten abzuholen und das Auto zu importieren. Lisa beginnt die Zerówka (Kindergarten) und lernt Fahrrad fahren. Mit dem neuen Kachelofenherd ist es im Haus bedeutend wärmer.
1995
Schneereicher Winter. Lisa kann fast täglich mit dem Pferdeschlitten zur Schule gebracht werden. Der Heuvorrat reicht nicht, es muss Heu dazu gekauft werden.
Ein polnisches Fernsehteam kommt plötzlich in Pferdeschlitten angefahren und dreht mitten im Winter, eine kurze Reportage über die mutigen (verrückten?) Schweizer, die es gewagt haben, sich im abgelegenen, armen Nordostpolen, niederzulassen. Nach der Ausstrahlung im polnischen Fernsehen werden wir im ganzen Land recht bekannt.
Die Erfahrung mit der letztjährigen Frühlingskälte, inspiriert zum Bau eines Frühbeetkastens.
Mit dem Feld- und Gartenbau geht es schon bedeutend besser wie im ersten Jahr, entsprechend gelingen auch deutlich grössere Ernten.
Anerkennung als Bio-Kontrollbetrieb (Atest von Ekoland). Die erste kleine Ziegenkäse-Produktion und die ersten Kunden.
Im Sommer verbringen regelmässig Feriengäste von ECEAT, Familienmitglieder und Freunde aus der Schweiz ihren Urlaub bei uns und helfen oft auch fleissig mit.
Thomas fährt im September bis nach Danzig um in Kaschuben fünf weitere Ziegen zu kaufen. Der Ziegenbestand wächst auf 17 Muttertiere.
Ende November: Geburt von Gregor.
1996
Der längste und schneereichste Winter. Die Aussenwelt ist nur noch mit Pferdeschlitten erreichbar. Viele Extremerlebnisse im Zusammenhang mit den extremen Winterverhältnissen und den einfachen, immer noch sehr primitiven Lebensverhältnissen.
Begegnung mit Krzyśek, dem Bruder eines Nachbarn, er wird zum jahrelangen „Arbeitshilfe-Engel“! Die Stute Gniada, das Arbeitspferd gebärt ein Fohlen. Die Käseproduktion wächst. Erste Reifkäseversuche, mit leider noch unbefriedigendem Geschmacksresultat. Bau eines neuen Stall- und Scheunengebäudes. Die Küche bekommt ein zusätzliches Fenster und neue Fenster werden eingebaut. Beginn von Isolationsarbeiten an der Hausfassade.
Nachbar Kwaterski, der emeritierte Schuldirektor von Bachanowo, schenkt einen alten Schwarzweiss-Fernseher, eine ausgezeichnete Polnisch-Lernhilfe, besonders während der Winterzeit! Mit einem anderen Nachbarn kann das Fohlen gegen eine Milchkuh getauscht werden.
Mitte November findet ein brutaler Raubüberfall statt. Fast alle Fensterscheiben werden eingeschlagen, auch die Autoscheiben. Thomas mit Baseball-Schläger zusammengeschlagen und dann Geld und Geräte geraubt. Glücklicherweise übersteht er diese Schläge ohne ernsthafte Verletzungen und es gelingt in den nächsten drei Tagen, die Scheiben zu ersetzen, gerade noch vor dem schneereichen Wintereinbruch. Schlimmer sind die psychischen Wunden dieses traumatischen Erlebnisses – bei den fünf Kindern, die es miterlebt haben, werden sie wahrscheinlich immernoch untergründig da sein.
Mitte Dezember bringt Eisnebel viele Strommasten zum Brechen – die Folge davon ist ein siebentägiger Stromausfall!
1997
Im Januar ist der neue Stall bezugsfertig – Gniada das Pferd und Brunnhilde die Kuh können einziehen und den alten dunklen Steinstall verlassen.
Im März: ein erstes Kalb und die erste Kuhmilch. Mehr Milch – mehr Käse… und die Reifkäse gelingen endlich! – und finden regen Absatz. Mehr Käse – besseres Einkommen -deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen, es geht aufwärts!
Anfangs Juli, am Haupt-Heueinfuhr-Tag: Geburt von Manuela.
Nach der Bewilligung durch drei polnische Ministerien, kann der Bauernhof endlich notariell überschrieben und offiziell gekauft werden.
Mit dem Geld, das die Großmutter vererbt hat, kann ein Traktor, ein Kippanhänger, ein Pflug usw. gekauft werden. Zum ersten Mal können die Felder ohne die Hilfe der Nachbarn gepflügt werden.
Mit acht Personen in zwei Zimmern platzt das Haus aus allen Nähten. Planung und Entwurf einer Hauserweiterung.
1998
Der Winter ist glücklicherweise relativ mild. So kann mitten im Januar ganz Bachanowo ans Wasserleitungsnetz angeschlossen werden – endlich hat es im Haus fliessendes Wasser! Noch gibt es aber keinen Wasserabfluss.
Der infolge des Wasserleitungsbaus anwesende Bagger, kann gleich noch den Aushub für den geplanten neuen Hausteil machen. Und wie ein Wunder, bleibt es mitten im Winter tagelang frostfrei! So kann gleich das alte Hausfundament gesichert und das neue Fundament betoniert werden.
1999
Anfangs Januar und mitten in der Nacht: Geburt von Noah!
Im Frühling geht’s dann zuerst auf den Äckern weiter. Viele Tonnen ausgepflügter und ausgegrabener Steine müssen weggeschleift oder eingesammelt werden. Zum ersten Mal werden zwei Kuhkälber zur Nachzucht behalten. Nach den ganzen Saatarbeiten wird wieder an der Hauserweiterung weitergebaut, auch regelmässig Heu gemacht, täglich Käse produziert und verkauft. Und weil es gerade so rund läuft und gute Kräfte wirken, wird kurzentschlossen noch das alte zerfallende Vorkriegshaus abgebrochen und von Thomas’s Vater ein einfaches Ferienhaus projektiert. Nach vier Wochen Bauzeit steht anstelle des alten Hauses, der Rohbau des neuen Ferienhauses, von einer Baufirma erstellt.
Zwei Baustellen und 1-2 Helfer (manchmal auch mehr, denn sogar eine deutsche Grossfamilie mit 6 Kindern, hilft während ihrem Urlaubsaufenthalt tatkräftig mit!), Felder, Tiere, Käseproduktion und 7 Kinder = 7 Tagewoche mit 17 stündigem Arbeitstag. Anders lässt sich das alles nicht bewältigen.
Nach dem besonders fruchtbaren Sommer, folgt eine sehr grosse Ernte, welche dank tüchtiger Unterstützung durch verschiedene Bauhelfer, auch erfolgreich eingebracht werden kann.
Nachdem der Neubauteil äusserlich beinahe fertig gestellt ist, wird etappenweise das alte Hausdach abgebrochen und das neue Dach gebaut. Ganz ohne Pannen geht es leider nicht. Im Herbst reisst mitten in der Nacht, ein Gewittersturm die Schutzplane vom unfertigen Dachteil. Die ganze Wassermasse des intensiven Regens dringt durch die Holz-Zimmerdecke und durchnässt die schlafenden Kinder in ihren Betten. Nach einer Stunde Einsatz, auf dem Dach und nach dem Trocknen des Zimmerbodens und Wechseln des Bettzeugs, können alle wieder trocken weiterschlafen.
Dafür ist uns dieses Jahr das Klima sehr gnädig gestimmt. Es gelingt bis anfangs Dezember, noch vor dem ersten Schnee, das ganze Dach fertig zu stellen und das ganze Haus dicht zu machen. Sogar die Felder können noch gepflügt werden. Dann folgt während der langen Wintermonate, der ganze Innenausbau und die Isolierung der Fassade. Dank dem wundervollen Einsatz von Krzyśek, geht es mit den Arbeiten täglich sichtbar weiter.
Zum letzten Mal feiern wir das Lichterfest im viel zu engen alten Hausteil, wo es für 9 Personen, mit allem Hab und Gut, nur zwei Zimmer hat. Der Lichterbaum steht mitten im ganzen Durcheinander des viel zu kleinen Hauses.
Der Innenausbau geht so gut voran, dass genau am Silvester, zum Jahrtausendwechsel, das alte Haus mit dem neugebauten Teil verbunden werden kann. Der neue Hauseingang kann benutzt und die alte Türöffnung unten zugemauert und oben befenstert werden. Ein schönes Symbol für die Zukunft.
2000
Der alte Hausteil ist nun mit dem Neuen verbunden. Im Januar wird das erste Zimmer bezugfertig: Claudia und Thomas bekommen endlich ein eigenes Zimmer; Kleider und Bücher können das jahrelange Schachtelprovisorium verlassen. Der Heisswasser- und Kachelofen im Keller, und die ganze Wasser-Installation werden auch fertig – die Badewanne kann eingeweiht werden! Auch die Aussenisolation kann noch im Winter fertiggestellt werden.
Im März können auch Lisa und Nadja ein eigenes Zimmer beziehen. Die Natur wacht wieder auf – Ziegenlämmer und Kälber werden geboren, die Milch fliesst wieder und natürlich geht die Arbeit auf den Feldern wieder los. Nach den Saaten bekommen noch Nicolas und Swendar ihre eigenen Zimmer. Im alten Hausteil schlafen nun nur noch drei Kinder, es hat viel Platz gegeben… doch Claudias Bauchform verspricht schon baldigen Familienzuwachs!
Leider hat es das ganze Frühjahr hindurch nur ganz wenig Regen gegeben. Im Mai sind die ganzen Wiesen und Weiden fürchterlich dürr. Das Gras wächst nicht mehr und verdorrt, es kann fast kein Heu eingebracht werden. Das Getreide leidet auch. Es folgt wochenlanges vergebliches Hoffen auf Regen.
Nachdem schon in verschiedensten Medien in Polen, über die schweizerische Einwanderer-Familie berichtet wurde, sogar schon das Deutsche Fernsehen da gewesen war, kommt zum allerersten Mal eine Journalistin, im Auftrag einer Schweizer Tageszeitung vorbei.
Auch ein polnisches Filmteam kommt mit der Absicht vorbei, einen knapp halbstündigen (Pseudo-) Dokumentarfilm über uns zu drehen. Der fertige Film zeigt wenig die reale Lebenssituation, sondern eher ein idealisiertes/verzerrtes Bild davon, gewinnt aber sogar einen Dokumentarfilm-Preis und wird in der Folge nicht nur in Polen, sondern über den Polonia Sender, auf der ganzen Welt ausgestrahlt. Danach bekommen wir einiges an Briefpost von Polen, die in Australien, Amerika und der Schweiz leben und beeindruckt sind von uns.
Den ganzen Frühling und Frühsommer hindurch, wird am Innenausbau des Ferienhauses gearbeitet. Obwohl noch unfertig, wird es den Sommer und Herbst hindurch, bereits zur Unterbringung von Freunden, Verwandten und Bekannten benutzt.
Mitten im August, der grösste Käsekunden-Andrang ist gerade vorbei, wird unser achtes Kind, Lorena, geboren.
Die andauernde Dürre hat deutliche Folgen: Es hat viel zu wenig Futter für die Tiere! Im Herbst wird die alte Kuh (Waldburga), das schon zwei Jahre ungenutzte Arbeitspferd und das eine Kuhrind, an Nachbarn verkauft. Dieses „Gesundschrumpfen“ bringt während dem Winter viel Arbeitsentlastung im Stall. So bleibt mehr Zeit für den weiteren Innenausbau.
2001
In der Sylwesternacht beginnt erst der richtige Winter. Es schneit während Stunden. Das neue Jahr beginnt mit 40-50 cm Neuschnee und stundenlangem Schneeschaufeln.
In den beiden Häusern gehen die Innenausbauarbeiten weiter. Nachdem Brunhilde und die junge Kuh Hulda gekalbt haben, kann wieder täglich Käse gemacht werden.
Claudia bekommt eine automatische Waschmaschine geschenkt, womit zehn Jahre langes, mühsames Hand- und „Wirówka“ waschen, ein Ende nehmen.
Im Sommer besuchen uns auch dieses Jahr wieder viele FreundInnen, Verwandte und Bekannte. Lisa, Nadja und Nicolas können am Sommerlager des Eko-Art-Village Projektes teilnehmen, welches von guten Bekannten von uns, organisiert wird. Wieder fällt viel zu wenig Regen. Die Ausmasse der Trockenheit sind nicht ganz so schlimm wie im Jahr zuvor, trotzdem sind die Ernten unterdurchschnittlich klein.
Im August, die Bauarbeiten sind ziemlich abgeschlossen, beendet Krzyśek seine Arbeitseinsätze bei uns. Er findet eine feste Anstellung, baut sein eigenes Haus fertig und heiratet. Mit nur noch einem Paar Männerhänden, gehen alle Arbeiten langsamer und mühsamer. Schuljahrsbeginn im September: Es gehen schon 4 Kinder zur Schule. Lisa hat die Grundschule schon beendet und kommt ans Gymnasium nach Jeleniewo (ca. 15 km Schulweg, davon 2,3 km zu Fuss).
Das Wintergetreide wird gesät, die letzten Felder und die Kartoffeln geerntet, die Felder gepflügt, der Garten abgeerntet und für das kommende Jahr vorbereitet, Steine gesammelt, Wintervorbereitungsarbeiten gemacht und… erfahrungsgemäss kommt der Winter zu früh und bricht die letzten Arbeiten unerledigt ab. Doch in den Ställen und im Haus, geht die Arbeit nie aus.
2002
Mit der Geburt von Beata im Januar, vergrössert sich die Familie noch einmal. Sonst läuft alles im Jahreszeiten-Rhythmus wie gewohnt. Nur ist auch dieses Jahr wieder schrecklich trocken. Dafür scheint meistens die Sonne und es ist sehr warm. Lisa, Nadja und Nicolas nehmen wieder am Sommerlager des Eko-Art-Village Projektes, teil. Ein ziemlich ausgeflippter und glücklicher Sommer nimmt seinen Lauf. Dürre bedingt gibt es kleinere Ernten, weniger Arbeit, aber viel Teichbaden, Geselligkeit und Plausch.
Um der EU beitreten zu können, wird in Polen endlich auch auf dem Land, die Kehrichtabfuhr eingeführt. Auch wir müssen einen Kehricht Container mieten.
Erwartungsfroh, was wohl das kommende Jahr an neuen Eindrücken und Erfahrungen bringen wird, geht es durch die jahreszeitlichen Arbeiten und Pflichten, dem Jahresende entgegen.
2003
Extrem kalter Winter mit dreimaligen Unter-Minus-Zwanzig-Grad-Phasen. In einer davon fällt die Temperatur in der Nacht auf -36°C und sogar am Tag halten sich -26°C. Die Nacht darauf ist es netterweise wieder -28°C warm. Neben der Kälte, ging 2003 als „Kuhjahr“ in die Erinnerung ein. Drei Kühe wurden gekauft, und zwei zum Schlachten verkauft. Im Endresultat wuchs die Herde um eine Kuh auf 3 Stück. Alle mit den gelben EU-Ohrmarken bestückt, welche seit einem Jahr alle Rindviecher tragen müssen.
2004
Ein sehr arbeitsintensives Jahr mit rekordmässiger Käseproduktion. Polen tritt der EU bei. Wir können den Antrag für Direktzahlungen stellen. Endlich können auch Bauern ohne polnische Staatsbürgerschaft der KRUS (Bauernversicherung) beitreten. Lisa beendet das Gymnasium in Jeleniewo und beginnt das Allgemeinbildungs-Liceum an der Marion Dönhoff Schule in Mikołajki. Nicolas beginnt die 6. Klasse in Jeleniewo. Ein leichtes, doch für unsere Region sehr ungewöhnliches Erdbeben lässt am 21. September die Erde beben. Kurz darauf, am 2. Oktober, wagen wir einen grossen Schritt in die Zukunft und kaufen uns einen Computer.
Im November, nach einer Fehlgeburt mit der Folge einer schweren Blutvergiftung, liegt Claudia ein paar Tage lang auf der Intensivstation des Spitals in Suwałki. Zwei Tage lang ist ungewiss, ob sie überleben wird… aber dann entscheidet sie sich für das Leben und nach sechs Wochen ist sie wieder bei vollen Kräften. Durch dieses Extrem-Erlebnis, verbunden mit den medizinischen Eingriffen und deren Folgen, verlieren wir für Monate unser gesundheitliches Gleichgewicht. Wir verstricken uns in ein „Interaktions-Spiel“ mit Krankheit, Hypochondrismus, Ärzten und den Mängeln des polnischen Gesundheitswesens.
2005
Die harten Wintermonate werden wegen diesem Interaktions-Spiel zu einer Plage. Nach 10 Jahren unabhängiger biologischer Bewirtschaftung unserer Felder, werden wir wieder atestierter Bio-Betrieb, was uns neben vielem Papierkram und Kontrollen, nun aber auch ordentliche finanzielle Vorteile bringt.
Wieder werden wir mit Trockenheiten geplagt. Kleiner Stallumbau (Vergrösserung und Modernisierung des Hühnerstalls).
2006
2007
2008
Wiedereinmal mehr, beginnt der richtige Winter mit dem Jahreswechsel. In der ersten Januarwoche, begleitet von sehr starkem Wind, fällt die Temperatur auf -16°C. Im Stall gefrieren die Tränken und alle Tiere müssen per Eimer mit Wasser versorgt werden, welches mühsam vom Haus angeschleppt werden muss. Bei einem Fahrradsturz auf der total vereisten Strasse zur Schule, bricht sich Gregor den Arm, was ihm einen lästigen Gibs und den Eltern viele Umtriebe mit Arztbesuchen beschert.
Tauwetter mit Schneeschmelze und heftigen Regenfällen, bei nur oberflächlichem Antauen des tief gefrorenen Bodens, führt zu einer schlimmen Vermorastierung unserer Zufahrt. Trotz dieser prekären Wegverhältnissen, gibt es viel Besuch von Freunden und Bekannten.
Im Februar und März gelingt es endlich, die vor acht Jahren begonnene und dann liegen gebliebene Innenausbauarbeiten, zu beenden. Wie so oft, gibt es viel Ämterkram zu erledigen. Wir beschliessen, die ganze „Hof-Administration“ zu computerisieren. Dieser Prozess zieht sich über das ganze Jahr hinweg. Nach anfänglichem Mehraufwand, machen sich schnell die vielen Vorteile dieser Neuerung bemerkbar.
Aus einem spontanen Impuls gelingt es über das lange Mai-Wochenende ein Treffen zu organisieren. Zum ersten Mal nach 10 jähriger Pause stellen wir sogar wiedereinmal eines unserer Tippis auf.
Im Frühjahr macht die Trockenheit zu schaffen, später dann während der Erntezeit, die andauernde Feuchte. Einiges Erntegut verfault oder verschimmelt. Während des ganzen Sommers kommen wieder viele Besucher und auch einzelne Helfer vorbei. In kleinem Rahmen findet auch ein einwöchiges Lager für oekodorfinteressierte Menschen statt.
Nach den Sommerferien gehen die 7 noch zu Hause verbliebenen Kinder nach Jeleniewo zur Schule. Allen gefällt es, endlich in einer richtigen Schule mit vielen Mitschülern zu sein. Die Schule in Bachanowo wird aufgelöst und dann mit EU-Geldern zu einem Gemeinschaftszentrum umgestaltet, mit Computerraum und vielen Spielmöglichkeiten.
2009
Jedes Jahr bringt uns immer wieder seine besonderen Überraschungen. Dieses Mal ist es zuerst ein kurioses Email, das uns im Februar, mitten im verschneiten Winter, erreicht. „Pan Wu“, ein Bekannter, der seit jahren ab und zu bei uns vorbeigekommen ist, fragt uns an, ob er seine alljährliche Fastenzeit bei uns verbringen könnte. Da uns besonders im Winter etwas Abwechslung und Gesellschaft willkommen ist, sagen wir zu.
Aus den ursprünglich geplanten Ungefähr-Zweiwochen, werden dann ganze zweieinhalb Monate. Pan Wu hat Langlaufski und Schlittschuhe dabei – und der Winter spielt erstaunlicherweise mit! Beinahe den ganzen Monat März hindurch, herrschen außergewöhnlich gute Bedingungen zum Langlaufen – auch Claudias Lieblingssport –
beinahe täglich gleiten sie über die verschneiten Felder. Und Pan Wu zeigt uns, dass man auf unserem größten Teich wunderbar Eislaufen kann. Claudia steht nach über zwanzig Jahren wiedereinmal auf dem Eis, aber sie kann es gleich wieder. Manuela, Lorena und Beata machen ihre ersten zaghaften Versuche, die aber unter Anleitung von Pan Wu täglich sicherer werden. Er betätigt sich auch als guter Geschichtenerzähler, kocht gerne typisch polnische Gerichte, erzählt uns viel über die polnische Kultur und Geschichte und zum Winterende bringt er die ganze Familie dazu nach altem Brauchtum eine Marzanna-Puppe zu verbrennen. Danach kann der Frühling endlich Einzug halten und in wachsender Vorfreude fällen wir den Entschluss, uns dieses Jahr ein 18
Quadratmeter Glastreibhaus zu kaufen. Kaum ist der letzte Schnee weg, bauen wir den Betonsockel. Pan Wu hilft noch dabei, dann aber juckt ihn frühlingshafter Reisedrang und schon bald fährt er mit vollgepacktem Fahrrad los Richtung Nordkap. Auf dem Rückweg bleibt er in Tromsø [ˈtrumsø] in Nordnorwegen hängen, lernt dort eine Polin kennen, heiratet sie und gründet eine Familie.
Tante Marion aus der Schweiz schickt uns einen 4 kg schweren Schokoladehasen zum Frühlingsfest.
Im Mai steht das Treibhaus und kann bepflanzt werden. Nadja macht die Matura, hat aber keine Lust auf ein Studium. Sie zieht nach Białystok, wohnt zusammen mit ihrem Freund und seinem Bruder mit Freundin. Sie macht Gelegenheitsjobs und macht sich daran einen Jugendtraum zu verwirklichen, nämlich ein Buch zu schreiben.
Dann zum Sommerbeginn, klopft die nächste Überraschung bei uns an die Tür. Es ist ein junger Kerl, Jarek von den Kindern „Tarzan” genannt, der irgendwo von uns gehört hat und den Sommer bei uns verbringen wollte.
Dass wir kein freies Bett im Haus mehr haben, stört ihn nicht – er schläft im Schlafsack ganze zwei Monate unter der Tanne neben der Scheune. Erst im September wird es so kalt und regnerisch, dass er noch zwei Wochen mit Zuza, die auch noch zufällig zu uns stiess, im Ferienhaus wohnt.
2010
Der Januar ist schneereich und sehr kalt. Wir verbringen viele Stunden mit dem Räumen unsrer Zufahrtstrasse. Wir werden aber auch mit märchenhaft schönen Landschaftsbildern entschädigt. Claudia wünscht sich schon lange einen kleinen Lagerschuppen für die ganzen Gartenarbeitsutensilien, also macht sich das Männerteam an die Arbeit und baut ihr einen.
Drei Jahre nach der Antragsstellung, bekommen wir anfangs April endlich die polnische Staatsbürgerschaft. Es ist für uns ein tolles Gefühl, endlich voll-berechtigte Staatsbürger zu sein. Tomek unser zukünftiger Schwiegersohn schenkt uns sogar eine Polenfahne.
Zwei Monate später, können wir bereits an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen. Nadja wird arbeitslos, weil der Betrieb schliesst wo się endlich eine feste Anstellung bekommen hatte. Sie hat aber auch ihr Buch „Powrót Nadzieji“, ein Fantasieroman für Jugendliche, inzwischen fertig geschrieben und es wird gedruckt.
Nadja bekommt vom Arbeitsamt eine 11-monatige Praktikumsstelle bei der Gemeindeverwaltung von Jeleniewo. Für diese Zeit, wohnt sie wieder bei uns, womit wir wiedereinmal eine Zehnpersonen-Familie werden.
Im Mai, nur einen Tag nach dem Setzen der Kartoffeln, erleben wir die intensivsten Niederschläge seit wir hier leben – 13cm in knapp 3 Stunden an 2 Tagen. Zweidrittel des Kartoffelackers sind überschwemmt und auf einem anderen Acker hält sich tagelang ein 0,3ha große Wasserlache. Dank dem vielen Wasser im Boden, wächst das Wiesengras besonders üppig. Es gibt viel gutes Heu vom ersten Schnitt. In der danach folgenden Trockenzeit, sind aber auch diese Wassermassen schnell wieder aufgebraucht und so plagt uns schon wieder eine Dürre, so intensiv, dass eine halbe Hektar Wicken vollständig austrocknet und später nur noch eingepflügt werden kann.
Auf Wunsch der weiblichen Familienmitglieder, kaufen wir ein Reitpony. Elsa heißt die kleine Stute. Leider ist sie nicht richtig eingeritten und noch jugendlich ungezogen.
Freundlicherweise hilft uns die neue Nachbarin Małgorza und macht mit Elsa und den Mädchen Reittraining. Da Elsa das einzige Pferd auf unserem Hof ist, schließt sie sich später auf der grossen Weide der Kuhherde an. Auch stellt sich heraus, dass sie unglaublich ortstreu ist und wir sie während der Nicht-Vegetationsperiode einfach frei
laufen lassen können.
Seit beinahe einem Jahr, haben wir am Horizont die Aussicht auf den Windturbinenpark vor Suwałki. Link : https://pl.wikipedia.org/wiki/Park_Wiatrowy_Suwa%C5%82ki Lorena und Beata dürfen an einem von Freunden organisierten Sommerlager in Szurpiły teilnehmen. Im Verlauf einer zweitägigen Wanderung kommt die ganze Gruppe bei uns vorbei, zum Mittagessen und Käsereivorführung mit Degustation.
Zwischen den herbstlichen Ackerarbeiten schaffen wir noch die undichte, von den winterlichen, extremem Temperaturunterschieden von Innen und Aussen verzogene Haustür aus Holz, durch eine neue, dichte und isolierte Metalltür zu ersetzen. Vor dem Hauseingang, dem Kuhstall und der Scheune legen wir endlich einen festen Bodenbelag und legen ein Entwässerungsrohr. Das traditionelle Lebkuchenhaus ist dieses Jahr besonders schön gelungen.
2011
Immer mehr bekommen wir die negativen, sehr einschränkenden Seiten der EU zu spüren. So dürfen wir zum Beispiel, ab diesem Jahr, nicht mehr selber schlachten – eine tiefe Einschränkung der Grundrechte des freien Menschen und Bauern. Die polnischen Verordnungen sind meist noch enger gezogen, wie die Grundverordnungen der EU, und bringen kleine Bauern und Produzenten, welche noch direkt mit Natur, Leben und Zwischenmenschlichkeit verknüpft sind, in immer absurdere Situationen.
Vieles erinnert immer mehr, an faschistische Oligarchie und kommunistischen Planwirtschaft. Eigenverantwortliches Mensch-Sein, Denken und Handeln wird mehr und mehr eingeschränkt. Schon von den ersten Januartagen an, sind wir eingeschneit und von der Aussenwelt abgeschnitten. Es hat noch viel mehr Schnee, wie im Jahr zuvor. Die Schneehaufen reichen beinahe an die Dachkannte und wir sind regelmässig damit beschäftigt, uns frei zu schaufeln.
Es wird aber immer schlimmer und schlimmer, bis nach einem Feuchtschneesturm die ganze Zufahrt, mit einer bis zu 80 cm dicken Schneeschicht, aufgefüllt wird und danach gefriert. Der Schnee ist zu hart für die Schaufeln, da geht ohne Spaten gar nichts mehr. Da wegen der Schule, vom Schneeteam nur noch Thomas übrig bleibt, dauert es mehr als eine Woche, bis die Zufahrt wieder befahrbar ist.
Der Frühling hat dieses Jahr eine ganz besondere Aura – ein Schwarzspechtpaar nistet bei uns in der grossen alten Pappel , eine grosse Ehre für uns! Man hört ihr magisches Klopfen und ihre Rufe, aber zeigen tun sie sich nicht gerne, sie sind sehr scheu.
Im Mai erwischt uns eine Hagelfront. Die jungen Gemüsepflanzen im Garten sind danach arg strapaziert und grössere Blätter sind durchlöchert, aber sonst gibt es gücklicherweise keine ernsthaften Schäden an Kulturen.
Wie wenn das nicht genügen würde, dass es auf den Feldern tonnenweise Steine zum Wegräumen gibt, so ist eines junimorgens der Hühnerstallboden von grossen Steinen verschüttet. Ein Teil der Steinmauer ist eingestürzt, weil die grossen Grundsteine in den 90er Jahren von den Schweinen unterwühlt worden waren. Die Steine müssen wir schnell wegräumen und die Wand provisorisch reparieren, damit der Hühnerstall
wieder funktionstauglich ist.
Nach dem Beitrag über uns in der Sendung „Die 5. Schweiz” im Radio DRS 1, wird unsere Website von mehr als 1000 Hörern besucht. In der Ferienzeit gibt es wieder viel Familienbesuch aus der Schweiz und den ganzen Sommer bis in den Herbst hinein, wirkt Michał W. bei uns mit. Er möchte hier lernen ein Stück Land biologisch zu bewirtschaften. Mit seiner tüchtigen Mithilfe, lassen sich viele Arbeiten einfacher erledigen und wir schaffen auch viel mehr wie gewöhnlich machbar ist. So sammeln wir dieses Jahr ganze 36 Anhängerladungen Ackersteine (mind. 100 t) von den Feldern weg, was absoluter Rekord ist.
Nach den Erntearbeiten bauen wir noch eine Pflanzenkläranlage für das Gästehaus, und wir pflanzen weitere Bäume und Sträucher in die Hecken.
2021
Ende Januar und im Februar gibt es wiedereinmal sehr viel Schnee. Ein mehrtägiger Eisnebel verursacht grosse Schäden an Birken, Kiefern und Fichten. Kurz danach bricht und entwurzelt ein Sturmwind, weitere Bäume.
Ende Januar kommt in Suwałki unser viertes Enkelkind auf die Welt. Mit der Schneeschmelze steigt endlich wieder das Grundwasser und damit auch der Wasserspiegel in den Teichen.
Lorena kommt aus Estland zurück. Dann reist sie in die Schweiz um dort ein Praktikum und dann eventuell eine Berufsausbildung, in einer Käserei zu machen.
Beata beendet das Liceum mit der Matura. Damit können wir endlich – nach langen 27 Jahren – das Thema „Schule” abschliessen. Am 2. Juni geht ein lang gehegter Traum in Erfüllung; mit den neu installierten
Sonnenkollektoren, produzieren wir eigenen Strom. Der produzierte Stromüberschuss vom Sommer reicht problemlos aus, um auch stromrechnungsfrei durch den Winter zu kommen und erst noch mehr als 2000 Kwh ins Netz zu verschenken.
Lorena lässt die Ausbildungpläne fallen, um nicht in absurde Coronamassnahmenzwänge zu geraten. Den Sommer durch hilft sie bei uns mit und über „Workaway” (https://www.workaway.info/) organisiert sie sich spannende Gesellschaft.
Gleich nach der Getreideernte beginnt ein Gerücht, sichtbare Realität zu werden. Man beginnt mit den Bauarbeiten, uns einen hässlichen, metalligen Aussichtsturm ins Sichtfeld zu stellen. Die Verwaltung des „Landschaftspark!” verschandelt selber die Landschaft. (https://spk.org.pl) Selbstverständlich ohne vorherige Konsultation oder wenigstens Information der direktesten Anwohner.
Im September treibt ein einzelner Wolf (wahrscheinlich ein Hybridwolf?) sein Unwesen in der Gegend. Er kommt auch bei uns vorbei – erlegt unseren Ziegenbock, schleift ihn 100 m weit – und frisst ihn fast vollständig. Nur die dickeren Knochen finden wir später noch.
Beata beginnt in Krakau ein Geologiestudium. Noah beginnt sein zweites Studienjahr. Um Zeit zur Arbeitssuche zu haben, kommt im Herbst über Workaway noch ein weissrussisches Emigrantenpaar, für einen ganzen Monat zu uns. Sie helfen beim Reinigen des Buchweizen und der Lupinen, sowie die Felder für die Wintergetreidesaat
vorzubereiten – es gibt tonnenweise Steine wegzuräumen und wir bauen neue Feldsteinmauern damit. Bei der Kartoffelernte sind sie auch dabei, so dass wir auch diese Arbeit schnell erledigen können. Danach ziehen sie weiter nach Norwegen.
Mitte Oktober kommen über „Eurotopia” auch noch zwei Frauen mit drei Kindern aus Ostdeutschland für ein paar Tage vorbei. ( https://eurotopia.directory/ ) Ende November sind wir schon im Winterschnee. Schon im Dezember steht der schreckliche Aussichtsturm fertig da – sein Anblick löst jedes Mal instinktiv ein unangenehmes Gefühl aus wenn wir aus dem Haus kommen und der Blick immer zuerst auf dieses Unding fällt, nachprüfend, ob wer da oben ist oder nicht.
Kurz vor dem Jahreswechsel fällen wir die vielen geschädigten Bäume im Wald. Die besseren Stammteile beabsichtigen wir von einer mobilen Sägerei zu Bauholz sägen zu lassen.
2022
Starke Schneefälle wechseln sich mit wärmeren Tagen ab, wodurch der ganze Schnee beinahe wegschmilzt – es dann aber wieder abkühlt und erneut viel dazu schneit.
Der Winter dauert, die Schneeschicht wird dicker und durch Verwehungen dichter.
In der dritten Februarwoche wird es so ungewöhnlich warm, dass der viele Schnee, bis auf ein paar besonders dicke Schneefelder, unglaublich schnell wegschmilzt. Dann wird es fünf Wochen lang ziemlich kalt und frostig, aber sehr sonnig!
Das Wetter ist ideal für Waldarbeiten. Die letzten Februartage bis ende März kann endlich das viele Sturmholz aus dem Wald geräumt werden. An zwei Tagen hilft Gregor mit, sonst arbeitet Thomas allein.
Wir werden damit konfrontiert, dass die mobile Sägerei erst im Oktober einen freien Termin für uns hat. Die meisten Waldbesitzer in der Region haben viel Sturmholz und so sind alle mobilen Sägerei voll ausgelastet.
Den ganzen Frühling hindurch gibt es regelmässig ausgiebige Regenfälle. Die ganze Vegetation ist einmal so richtig saftig schön grün. Das Wiesengras wächst prächtig, nur wie sollen wir daraus trockenes Heu machen?
Anfangs Juli werden die Niederschläge spärlicher und bleiben dann ab der zweiten Monatshälfte ganz weg. Zuerst freuen wir uns, da wir dank der Trockenwetterlage die riesige Heumenge auch zu zweit und etwas Mithilfe von Claudia bewältigen können.
Das Getreide können wir auch problemlos ernten, Qualität und Menge sind sehr gut.
Im August ist es schon so trocken, dass das Gras nur noch schwach nachwachsen kann. Es gibt nur noch wenig Heu vom zweiten Schnitt und das Weidefutter wird knapp. Die Äpfel sind klein , reifen viel zu spät und faulen oft schon am Baum.
Jonathan L. Ramsey – amerikanischer Dokumentarfilmer aus Chicago, der seit 2012 in Warschau lebt und mit einer Polin verheiratet ist, dreht einen Dokumentarfilm über uns. (https://www.youtube.com/results?search_query=ramsey+united) (Ramsey United)
Beschwerlich wird die Trockenheit so richtig im September. Eigentlich sollten dringend die Felder für die Wintergetreide (Roggen und Dinkel) gepflügt werden, der Boden ist aber viel zu trocken dafür. Das Weidegras reicht nicht mehr um eine gute Milchleistung der Kühe zu halten, so müssen wir ihnen schon ab der zweiten Septemberhälfte zusätzlich Heu verfüttern.
Die Hoffnung auf Regen war vergebens, anfangs Oktober muss mit ach und krach gepflügt werden, denn länger kann nicht mehr zugewartet werden, sonst kann die Saat nicht mehr vor dem Winter keimen.
Glücklicherweise macht eine wundervolle belgische Familie, auf ihrer einjährigen Camperreise durch Europa, ein paar Tage Zwischenhalt bei uns. Sie helfen tatkräftig mit, dass die Felder schnell saatbereit sind und sogar noch die Kosztela Äpfel geerntet werden können. Ausserdem bekommen wir Luftaufnahmen von unserem Land, weil sie eine Drohne dabei haben. Die gute Zeit miteinander geht viel zu schnell vorbei, weil sie wegen der frostigen Nächte nach Südpolen weiter fahren wollen.
Noah kehrt braugebrannt, kurz aus Griechenland zurück. Schon im November wird er auf die griechische Insel Kefalonia abreisen, zur Mithilfe bei der Olivenernte als Volontär.
Dann kommt endlich die mobile Sägerei. Das viele Stammholz wird zu Brettern und Balken gesägt und kommt noch vor dem Winter unter Dach.
Es folgt die Aussaat von Dinkel und Roggen. Danach kann mit dem Pflügen der restlichen Felder begonnen werden.
Ende Oktober kommt Lorena zu einem Kurzbesuch und da Claudia nach der strengen Sommersaison dringend etwas Abwechslung braucht, Noah auf den Flughafen muss, reisen sie zu dritt mit dem Zug nach Krakau. Dort wartet schon freudig Beata auf den Besuch, um der Mama endlich ihre tolle Studienstadt zu zeigen. Thomas bleibt allein mit Gregor und den Hoftieren auf der Farm.
Am 1. November veröffentlicht Jonathan L. Ramsey, den im August gedrehten Film auf YouTube. Das Interesse am Film ist sehr gross, die Einschaltquote steigt ziemlich schnell an. Thomas ist völlig überfordert, die grosse Menge E-mails zu beantworten, welche darauf eintreffen. Als einer der frühen Filme von Jonathan, ist leider zu viel Aufnahmematerial in nur einen 29-minütigen Teil ‚gequetscht‘. Es sind zu viele schnelle Szenenwechsel, Bild und Ton passen oft nicht zusammen so wird vieles nicht deutlich genug gezeigt und oder erklärt, so sind einige Missverständnisse vorprogrammiert worden.
Nach einer Woche Krakau Ferien kommt Claudia zufrieden zurück, hat aber noch gar keine Lust auf die Bachanowo Routine. Da Thomas offensichtlich ohne sie mit der ganzen Arbeit irgendwie zurechtgekommen ist, nutzt sie die Gelegenheit, gleich noch in die Schweiz zu reisen und wieder einmal ihre Familie zu besuchen.
Kaum ist Claudia abgereist, bricht einmal mehr, viel zu früh der Winter ein. Schnee, Eis und Kälte bis -10 Grad unterbrechen abrupt die spät herbstliche Feldarbeit. Ganze dreizehn Haufen mit ausgepflügten Steinen bleiben auf zwei Äckern liegen. Der Ziegenstall ist auch nicht ausgemistet.
Als Reaktion auf den YouTube Film, kommt kurzentschlossen Jacek aus Poznań zu einem vier tägigen Schnupper-Besuch vorbei. Er hilft fleissig mit, wir misten den Ziegenstall aus und können sogar noch einige Steine vom Acker wegräumen, welche überraschenderweise trotz Schnee und Kälte wegen der trockenen Erde nicht fest angefroren sind und sich mit einem leichten Schlag, leicht ablösen lassen.
Nach fast drei wöchigerAbwesenheit und 28 stündiger Bus Fahrt, kommt Claudia mit viel Gepäck, spätabends in Suwałki an, wo sie natürlich freudig erwartet und abgeholt wird.
Wieder zu hause gibt es viel zu erzählen und den dicken Koffer voller Überraschungen auszupacken. Schon am nächsten Tag, nach einem langen Erholungsschlaf, wird das Haus für die restliche Adventszeit von Claudia schön dekoriert und sie macht sich fleissig ans kochen und backen – der Speiseplan wird wieder abwechslungsreicher und es wird gemütlicher im Haus.
Das Lichterfest verbringen wir in kleinem Familienkreis. Nur Gregor ist mit uns, Beata bleibt ein paar Tage und Nicolas und Nadja kommen kurz mit Familie vorbei, alle anderen sind weit weg – in Südpolen, Griechenlande, Portugal und in der Schweiz.
Zum Jahresende treffen Kinga und Krzysztof bei uns ein. Sie verbringen teilzeitig die Winterzeit mit uns.
2023
Der Neujahrsmorgen beginnt frostfrei mit herrlichem Sonnenschein, solche angenehmen Tage sind bei uns sehr selten im Winter. Bleibt zu hoffen, dass das ein gutes Vorzeichen für das ganze Jahr ist. Schon am Nachmittag kommt wieder Bewölkung auf. Trotzdem nutzen wir die Gelegenheit, zusammen mit Kinga und Krzysztof, endlich noch die paar Baumsetzlinge zu setzen, welche seit dem Wintereinbruch in zwei Eimern, auf der Eingangstreppe herumstanden. Am Abend setzt aber erneut Schneefall ein.
Noah unser jüngster Sohn kommt vom Olivenernten in Griechenland zurück und bleibt die restlichen Winterwochen bei uns.
Dann schneit es so intensiv, dass die Zufahrt zu unserem Hof nicht mehr befahrbar ist. Erst am vierten Tag ist die Zufahrt soweit vom Schnee befreit, dass sie wieder befahrbar ist. Es folgt eine Warmfront mit viel Regen. Der viele Schnee verschwindet erstaunlich schnell und an zwei regenfreien Tagen (14.+16.Januar), räumt Thomas sogar noch Steine vom Acker. Doch gleich wird es wieder richtig winterlich.
Endlich! Nach 15 Jahren Stillstand : Erneuerung und Aktualisierung unserer Website werden angepackt. Doch als im Frühfrühling wieder die Aussenarbeiten los gehen, gleichzeitig auch noch dringend der sehr komplizierte neue 5-Jahres Fruchtfolgeplan gemacht werden muss, ist die neue Website leider nicht fertig und kann noch nicht hochgeladen werden
In der zweiten März Hälfte liegt kein Schnee mehr und der Boden ist aufgetaut. Es herrschen ideale Verhältnisse zum Pflügen und das ist dringend nötig. Wegen einer neuen Bestimmung darf im Herbst nur noch 20% der Ackerböden gepflügt werden, so bleibt neuerdings einiges für den Frühling übrig. Auch ist eine gute Gelegenheit, die wegen der zu trockenen Erde, im Herbst schlecht gepflügten Äcker nochmals zu pflügen, das hilft auch die Unkrautentwicklung einschränken. Leider fällt damit auch doppelte Steinräum-Arbeit an – hat aber auch den positiven Effekt, dass viel Material zum Weiterbauen der Steinmauern anfällt.
Erst in der dritten April Woche sind die Felder soweit geräumt und vorbereitet, dass mit dem Säen begonnen werden kann.
Der ganze Frühling ist chronisch zu kalt und ab Mai dann auch zu trocken, nur wenige Nächte sind frostfrei und Regen bleibt ganz weg. Die Saaten keimen langsam und schlecht – nichts will so richtig wachsen. Erst Mitte Mai können die Kühe auf die Weide, wo das Gras sehr mager steht. Nach zwei scharfen Nachtfrösten am 3.+4. Juni erfrieren im unteren Garten die Kartoffelpflanzen und ein Teil der Blumen. Auch muss ständig gegossen werden, damit das Gemüse im Garten nicht verdorrt – Claudia ist verärgert und frustriert.
Die Wiesen haben wenig Saft und Kraft, die Kühe geben nur halb so viel Milch wie letztes Jahr. Das Heuen geht einfach, weil die Menge sehr gering ist und das gemähte Gras bei der herrschenden Dürre schnell trocknet. Nur haben wir nach dem ersten Schnitt nur ein Viertel soviel Heu wie im Jahr 2022 – auf den schlechtesten Wiesen lässt sich sogar nur ein Zehntel der Vorjahresmenge ernten.
Der trockene Sommer erlaubt uns dafür, die geplante Renovation des Scheunendaches zu machen. In fünf Bau Etappen, zwischen Heuen und Getreide ernten, arbeiten wir uns vorwärts, bis das Dach in der ersten September-Woche fertig ist. Zweimal musste Gregor ein paar Tage Urlaub nehmen, sonst wäre die viele Arbeit nicht zu bewältigen gewesen.
Der September ist ungewöhnlich warm und sehr sonnig, es reifen uns so viele Tomaten wie noch nie, auch die Kürbisse, welche wir schon aufgegeben hatten, reifen noch nach.
Ärgerlicherweise wiederholt sich nach der Ernte das Scenario des letzten Jahres: Wieder reicht das Weidefutter nicht mehr um eine gute Milchleistung der Kühe zu halten. Das Zufüttern von Heu ist dieses Jahr aber nicht möglich, das wird dringend für den Winter gebraucht – es wird also weniger Käse geben.
Der Boden ist wegen des Wassermangels auch wieder fürchterlich hart und lässt sich abermals nur mit neuen Pflugscharen, mit ach und krach pflügen. Doch auf einer halben Hektare Lehmboden, geht dann gar nichts mehr, die Pflugscharen gleiten nur noch über den Grasboden. So bleibt nur noch die schon gepflügte Fläche möglichst schnell zu besäen und für den Rest auf Regen zu hoffen.
Erst Mitte Oktober regnet es endlich. Eine Woche später ist die ganze Saat der Wintergetreide abgeschlossen, genau noch zum letzten möglichen Saattermin und einen Tag vor einem ersten und einzelnen Schneetag. Am folgenden Tag schmilzt der Schnee wieder, aber infolge der weiter anhaltenden kalten Witterung dauert es über drei Wochen, bis die Saat endlich keimt – und kurz danach überfällt uns wieder einmal mehr der Winter, mit wenig Schnee und vielen frostigen kalten Tagen.
2024
Nach zwei harmlosen Wintern, werden wir wieder einmal richtig durchgefrostet. Das Thermometer auf 3 Meter Höhe zeigt am 7. Januar -20 Grad und am 8. Januar sogar – 22 Grad an. Die Wasserleitung im Stall friert ein , somit müssen wir einmal mehr, eimerweise Wasser aus dem Haus zu den Tieren tragen. Es wird schnell wieder wärmer und so läuft das Wasser nach drei Tagen wieder.
Während der grössten Kälte stirbt Elsa unser altes Pony.
Wunderbarerweise gibt es endlich einmal richtig viel Niederschläge – Schnee und besonders viel Regen.
Das Wasser in den Teichen steigt erfreulicherweise auf einen der höchsten Frühlingswasserständen überhaupt., seit wir hier leben.
Der richtige Winter ist schnell vorbei, aber es will nicht richtig Frühling werden. Es bleibt aber erneut viel zu lange kalt. Nach der ersten Aprilwoche fällt kein Regen mehr, und bis es endlich genügend warm ist, damit das Gras wachsen kann, ist es schon wieder oberflächlich zu trocken für ein dichtes und saftiges Wachstum.
Im April kommt das erste Kalb zur Welt. Thomas muss dringend noch die Steinmauer vom alten Stall stabilisieren und weiter reparieren, welche eigentlich schon im Januar 2023 eingestürzt war und infolge Zeitmangels, unfertig überwintert hatte. Nach der Arbeit oder an den Wochenenden hackt Gregor fleissig das Brennholz für den nächsten Winter.
Wir sind höchst erfreut, dass eine ganze Igelfamilie auf unserem Hof lebt und sich beim Hundefutter mitbedient. Wir müssen nur aufpassen, dass wir nicht aus versehen auf sie treten, weil wir ihnen oft und unerwartet begegnen.
Die Ackerarbeiten verursachen dichte Staubwolken. Auch frühmorgens kann nicht staubfrei gearbeitet werden, weil bei dieser extrem Trockenheit sogar der Morgentau fehlt.
Dank dem Umstand, dass Noah erst im Herbst wieder nach Griechenland gehen wird, und er die nächsten Monate privat zu hause weiterstudiert , kann er regelmässig zum Steine Absammeln eingesetzt werden. Es verschwinden doppelt so viele Steine von den Äckern weg, wie wenn Thomas alleine arbeitet. Die Steine werden als Baumaterial für die Steinmauern und die Zufahrtsstrasse genutzt.
Im Mai und Juni ist es schon so trocken, dass nichts mehr richtig wächst. Nur die Bäume und Sträucher entwickeln sich sehr schön, weil es in den tieferen Bodenschichten noch genügend Wasser hat.
Die Blüten der Mirabellen- und Zwetschgenbäume erwischen Frost und erfrieren, aber alle anderen Obstbäume und Beerensträucher blühen herrlich.
Es hat dieses Jahr aussergewöhnlich viele Kartoffelkäfer. Dank Noahs regelmässigem Absammeln der Käfer und Larven überstehen unsere Kartoffeln die Saison fast schadenfrei.
Die älteste Ziege, die keine Milch mehr gibt und deshalb zusammen mit dem Ziegenbock auf der Weide ist, wird von Hunden getötet und teilweise angefressen.
Das Heuen geht einfach vonstatten. Es hat wenig und mageres Gras, stabile trockene Witterung und Noah kann mithelfen.
Am 15. Juli regnet es ein einziges Mal richtig. Es gibt ganze 10 cm Wasser, zwei Tage später dann noch einmal 2 cm. Diese zwei Regenfälle retten uns von den schlimmsten möglichen Trockenheitsfolgen. Das Getreide ist gerettet und das Gras auf den kahlen Weiden wächst auch wieder etwas nach.
Am Tag zwischen den Regen, kommt noch unser sechstes Enkelkind zur Welt.
Von Juni bis Anfang September sind wir mit Familien- und Bekanntenbesuchen ausgebucht. Claudia kocht täglich für 6-12 Personen, was sie aber nicht davon abhält, die Familie mit feinen Backwaren, wie zum Beispiel der wunderschönen und sehr leckeren Sommertorte auf dem Foto, zu verwöhnen.
Auch die Getreideernte geht einfach und schnell von statten. Die Erntemenge ist relativ klein, das Wetter ist stabil und trocken, und Thomas hat, wenn nötig Mithelfer.
Im August wird auch noch unser armer Ziegenbock auf der Weide, Opfer eines Wolfes. Als der Lastwagen der Kadaverentsorgung kommt, um die sterblichen Überreste abzuholen, ist er schon vollgefüllt mit toten Schafen aus dem Nachbarsort Hańcza, auch sie sind Opfer von Wölfen.
Es ist frustrierend, schon zum dritten Mal in Folge, wiederholt sich das selbe Herbst Trockenheitsscenario. Die Kühe und die Ziegen haben zu wenig gutes Grasfutter auf der Weide, also geben sie wenig Milch und wir können weniger Käse machen und verkaufen. Die Ackerböden sind so trocken und hart, dass wieder nur mit neuen Pflugscharen und wegen der schlimmen Staubentwicklung nur früh morgens, gepflügt werden kann. Die Aussaat von Dinkel und Roggen kann dann aber trotzdem termingerecht abgeschlossen werden.
Da erfreulicherweise bis zum Jahresende kein ernsthafter Winter kommt, können bis auf ein paar kleinere Gebäude Reparaturen, alle notwendigen Arbeiten zufriedenstellend erledigt werden.
Die Zeit reicht sogar noch, ein letztes, arg versteintes kleines Stück Acker zu entsteinen, dank Gregors kraftvollem Einsatz mit Brechstange und Spaten. Die neuste Steinmauer wächst schnell noch ein paar Meter. Es kommen Erinnerungen hoch, wie es auf den meisten Äckern noch vor zehn und mehrJahren einmal war.















